Die Entwicklung der Bevölkerung Lettlands

Den größten Teil der Bevölkerung in Lettland stellen heute die Letten. Was sich zunächst wie eine Selbstverständlichkeit anhört, ist insofern erwähnenswert, wenn man die Tatsache betrachtet, dass 1989 die Letten nur 52% der Bevölkerung stellten, und somit fast eine Minderheit im eigenen Land waren (Quelle: www.li.lv). Dies ist in der Geschichte des Landes begründet. Der Anteil der Russen an der Gesamt-Bevölkerung stieg während des 2. Welkriegs stark an. In der Folge sahen sich viele Russen auch als „Befreier“, die das Land von der deutschen Nazi-Besatzung erlösten. Lettland wurde nach 1945 Bestandteil der Sowjet-Union; die russische Sprache dominierend. Dabei wurde, nüchtern betrachtet, nur eine Okkupation durch die nächste abgelöst. Unter Stalin gab es viele Zwangsdeportationen, das Land wurde regelrecht russifiziert.

Mit der Wiederherstellung der Souveränität 1991 wurde Lettisch alleinige Amtssprache. Auch trat eine Regelung der Staatsbürgerschaft in Kraft, welche festschreibt, dass nur als lettischer Staatsbürger gilt, wer vor 1940 auf lettischem Boden geboren worden wurde, oder direkter Nachfahre solcher Personen ist. Für alle anderen gibt es ein Einbürgerungsverfahren. Wer sich dem nicht stellt, gilt als „Nicht-Staatsbürger“. Diese Regelung ist einer Integration nicht gerade förderlich, sind doch diese Nicht-Staatsbürger im Grunde Personen 2. Klasse, da sie z.B. kein Wahlrecht haben. Damit wollten oder konnten sich viele Russen, die teils schon Jahrzehnte hier heimisch sind, nicht so einfach abfinden. Ganz besonders gilt das für die Jüngeren, die mit der stalinistischen Ära nichts mehr zu tun haben.

Und so muss das kleine Land heute noch immer mit der Tatsache leben, dass 17% der Bevölkerung Lettlands „Nicht-Staatsbürger“ sind – keine leichte Bürde. Viele russisch-stämmige haben sich noch nicht einbürgern lassen, sie stellen etwa ein Viertel der lettischen Bevölkerung.