Die lettische Flagge als Nationalsymbol

Auf den ersten Blick könnte man die Nationalflagge Lettlands mit derjenigen Österreichs verwechseln. Beide sind horizontal rot-weiß-rot gestreift. Wenn man genauer hinschaut, fallen aber zwei gravierende Unterschiede auf. Das Verhältnis der Streifenbreiten ist nicht gleich. Österreichs Flagge hat drei Streifen im gleichen Format (1:1:1). In Lettlands Flagge ist der weiße Streifen halb so breit wie die roten. Das Verhältnis beträgt 2:1:2.

Der zweite Unterschied liegt in den unterschiedlichen Rottönen. Die Flagge des Alpenstaates zeigt ein sogenanntes heraldisches Rot, das sehr signalhaft wirkt. Die lettische Flagge dagegen weist ein dunkles Rot auf, auch als Lettischrot bezeichnet. Es symbolisiert das vergossene Blut zur Erlangung der lettischen Freiheit und Unabhängigkeit. Das Weiß dagegen steht für Gerechtigkeit und Reinheit.

Eine der ältesten Flaggen der Welt

Die frühesten bekannten Belege für den Gebrauch der Flagge stammen aus dem 13. Jahrhundert. Sie wird erstmals in der „Livländischen Reimchronik“ für das Jahr 1279 erwähnt. Somit gehört sie zu den ältesten Nationalflaggen, die in der heutigen Zeit noch gebräuchlich sind. Auf Grundlage der historischen Zeugnisse schuf der lettische Künstler Ansis Cirulis 1917 die jetzige Fahne, die im Jahr 1921 offiziell durch das Parlament Lettlands als Nationalflagge bestätigt wurde.

Gedenktage mit Beflaggung

An neun Gedenktagen im Jahr muss die lettische Fahne an allen öffentlichen Gebäuden und auch an Wohnhäusern gesetzt werden, andernfalls drohen Geldbußen. Für fünf dieser Tage (mit einem „+“ gekennzeichnet), an denen Opfern verschiedener Gewaltakte in der lettischen Geschichte gedacht wird, ist außerdem ein schwarzes Trauerband vorgeschrieben.

Im Einzelnen handelt es sich um folgende Daten:

  • 25. März (+) und 14. Juni (+) als Gedenktage für die Opfer kommunistischen Terrors – genauer: zwei Massendeportationen 1941 und 1949;
  • 1. Mai – 1920 wurde an diesem Tag die verfassunggebende Versammlung einberufen; außerdem Tag der Arbeit;
  • 4. Mai – die wiedererlangte Unabhängigkeit des Landes 1990;
  • 17. Juni (+) – Besetzung Lettlands durch die Sowjetunion 1940;
  • 4. Juli (+) – Gedenken für die während der NS-Besatzung ermordeten Juden;
  • 11. November – Gedenktag für Lettlands Freiheitskämpfer im Jahr 1919;
  • 18. November – Jubiläum der ersten lettischen Republik 1918;
  • der jeweils erste Dezembersonntag (+) zum Gedenken an alle Letten, die dem Völkermord durch das Sowjetregime zum Opfer fielen.