Mit dem Auto über die Ostsee via Baltikum Fähren

Die Ostsee ist heute ein wichtiger Verkehrsraum, der auch mit dem Auto genutzt werden kann. Der Fährverkehr zwischen Deutschland, Skandinavien und den baltischen Ländern wie Estland, Lettland und Litauen boomt immer mehr. Baltikum Fähren verkehren auf bestimmten Routen sogar bis zu sechs Mal täglich. Die Baltikum Fähren sind so attraktiv, dass selbst der Fährverkehr Richtung Russland weiter ausgebaut wird. Eine der größten Reedereien, Scandlines, hat Investitionen in Millionenhöhe vorgenommen, um Anlegestellen auch in Deutschland weiter auszubauen.

Die Baltikum Fähren finden dabei nicht nur großen Zuspruch von Urlaubern mit Pkw oder Campingmobil. Selbst die Zahl der Passagiere, die ohne Fahrzeug unterwegs sind, steigt stetig an. Dies ist auch der zunehmenden wirtschaftlichen Verflechtung zu verdanken. Sprachliche Unterschiede spielen dabei kaum noch eine Rolle; wer Frachtunterlagen für Lettland übersetzen lassen will, kann sich an Übersetzungsbüros wenden.

Das Fährunglück im September 1994

Doch denken viele Menschen beim Stichwort Baltikum Fähren auch an das Fährunglück mit der Estonia – und das, obwohl sich das Unglück bereits vor nahezu 20 Jahren ereignete, nämlich am 28. September 1994. Das ist auch nicht verwunderlich, handelt es sich doch um das größte Schiffsunglück in der Ostsee seit den Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Insgesamt 852 Reisende fanden damals den Tod, als die Fähre binnen einer halben Stunde sank.

Doch es gibt noch weitere Gründe dafür, weshalb das Unglück heute noch so lebhaft ist. So wie es aussieht, wurde die Estonia wohl dazu verwendet, illegale Militärlieferungen von Estland nach Schweden durchzuführen. Nachdem unter anderem die damalige schwedische Regierung sehr schnell versuchte, die gesamte Estonia in einer Art Beton-Sarkophag zu versiegeln, wurde sehr schnell klar, dass hier etwas nicht stimmt. Noch während die Regierung über diese Maßnahme abstimmte, begann man bereits, Geröll und Steine über der Unglücksstelle zu versenken, um den Zugang für Taucher unzugänglich zu machen. Und das, obwohl sich das Wrack in einer Tiefe befand, welche für die meisten Taucher unerreichbar war.

Was aus dem Unglück gelernt wurde

Aufgrund dieser Vorkommnisse gab es in Estland als auch in Lettland immer wieder Ausschüsse, die sich mit dem Schiffsunglück befassten. Selbst die letzten offiziellen Stellungnahmen aus dem Jahr 2007 lassen bereits vermuten, dass immer noch kein Ende in Sicht ist, was diese Ermittlungen angeht. Besonders, nachdem sogar hohe estnische Regierungsbeamte eine Teilnahme an den angeblichen Militärlieferungen bestätigten.

In gewisser Weise schadet so dieses Unglück dem Betrieb der Baltikum Fähren auch, denn immer wieder erkundigen sich Passagiere nach der Sicherheit an Bord solcher Fähren. Hier muss man jedoch sagen, dass zwar die Estonia damals, als sie sank, mit gerade 14 Jahren ebenfalls ein relativ modernes Fährschiff war, doch seither ist auch im Fährbau die technische Entwicklung vorangeschritten und Baltikum Fähren werden nach modernsten Erkenntnissen gebaut. So das Unglück der Estonia Einfluss auf die Konstruktion moderner Fähren. Es gab Veränderungen in der Konstruktion, die damals am Fährunglück Mitschuld war. Viele Baltikum Fähren werden übrigens in deutschen Werften gebaut. Die Meyer Werft in Papenburg, Erbauer der Estonia und bekannt für hohe Standards im Schiffbau, weist die Verantwortung am Unglück von sich.